Liebe, Leidenschaft, Wind im Haar und die 12-Grad-Regel
Es gibt Momente im Leben, in denen man genau weiß: Das ist es. Bei Markus Wieser war es der 22. Februar 1982, als er Christine zum ersten Mal sah – auf der Rückbank eines roten Simca 1308. Bei ihrer gemeinsamen Liebe zu Porsche dauerte es etwas länger. Aber wenn Gefühle langsam wachsen, blühen sie oft umso schöner.
Eine Halle voller Träume
Das Tor rattert gemächlich zur Seite. Vier Meter breit, und dahinter verbirgt sich nicht einfach nur eine Garage – es ist eher ein Tempel für Automobile. Jedes Auto hat seinen eigenen Stellplatz, überdacht von einem Kennzeichen mit der Typenbezeichnung. Blaue und rote Planen schützen die Lackierungen wie maßgeschneiderte Schlafanzüge. Markus macht eben keine halben Sachen.
Heute sollen drei seiner Lieblinge raus: der dunkelblaue 993, der karminrote Carrera 4 GTS und der Boxster RS 60 Spyder. Alle haben eines gemeinsam – kein festes Dach. Denn bei den Wiesers gilt die eiserne 12-Grad-Regel: Ab dieser Temperatur wird offen gefahren. Punkt.
Apropos Punkt: Der umtriebige Markus hat eine Entscheidung getroffen: „Ich verkaufe alle meine Fahrzeuge, darum schick ich dir die Liste.“ MW (Markus Wieser) Classics trennt sich von all den wunderbaren Fahrzeugen. Ja, ich darf euch das erzählen, der Markus hat’s mir erlaubt. Wer also noch keine konkreten Pläne für sein Weihnachtsgeld, den Jahresend-Bonus oder die Erbschaft und nur etwas Benzin im Blut hat, leckt sich bei der Lektüre der Bestandsliste die Finger. Bei Interesse meldet ihr euch einfach bei Markus.
Die Wiesers und die Magie des offenen Porsche-Fahrens
Doch zurück zu Christine und Markus. „Warum haben wir nur Cabrios?“, fragt Christine rhetorisch, während der Morgennebel sich durch die Bäume schiebt. „Weil wir die Umgebung ungefiltert spüren wollen.“ Für sie geht es nicht um PS-Zahlen oder Typenbezeichnungen – die überlässt sie gerne Markus. Sie liebt den Charakter der Autos, die Details, den Sound und vor allem: den Wind, der durch ihre blonden Haare wuschelt, wenn sie sportlich Richtung Alpen unterwegs sind.
Der 993 mit seinen 286 PS und der beigefarbenen Innenausstattung ist ihr optischer Favorit. Diese Farbkombi gab’s in Deutschland gar nicht – Markus hat ihn extra aus den USA geholt. „Das ist die schönste Innenausstattung von allen“, schwärmt Christine. Markus wiederum liebt, wie direkt sich der Elfer fährt. „Da spürst du genau, was du tust. Und wie das Auto darauf reagiert.“
Als Porsche in ihr Leben rollte
Die beiden sind kein klassisches Autoverrückt-von-Geburt-an-Paar. Markus war 16, als er in einer Werkstatt zum ersten Mal den Aufbau eines Porsche F-Modells bestaunte. Was ihn faszinierte? Der flach bauende Motor und die tiefe Einbauposition. Klingt technisch, ist aber pure Leidenschaft.
Der erste eigene Porsche kam eher zufällig. Mitte der 1990er waren die beiden auf der Tauernautobahn unterwegs, als sie ein Schild sahen: „Porsche Museum“. Markus setzte den Blinker. „Ich wollte mir nur ein Stündchen Zeit lassen“, erzählt er grinsend. Es wurde ein ganzer Tag. Denn dort trafen sie Helmut Pfeifhofer, den Gründer des ersten privaten Porsche-Museums Europas. Und der bot ihnen direkt einen 356 an. „Stark verbastelt, aber komplett.“
Christine war anfangs skeptisch, als Markus den Wagen „in einer Nacht-und-Nebel-Aktion“ holte. Anderthalb Jahre Restaurierung später war der 356 fertig – und trug sie durch mehrere Sommer und noch mehr Oldtimer-Rallyes. Die Liebe war entflammt. „Danach ist uns immer wieder ein Porsche zugelaufen. Insgesamt hatten wir mal acht Stück zusammen.“
Drei Charaktere, eine Leidenschaft
Heute cruisen sie mit dem 993 durch die bunten Herbstwälder bei Lutherstadt Wittenberg. Die Straßen schlängeln sich durch die Landschaft, kommen immer wieder der Elbe verlockend nah. Der Sechszylinder brummt dumpf und kernig, in den Waldpassagen verschmilzt der Elfer förmlich mit den Blättern. Christine schaut nach oben und genießt den Farbrausch.